TU Berlin

Fachgebiet DenkmalpflegeZwischen Burghütern und Aussteigern

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Zwischen Burghütern und Aussteigern - Perspektiven für die siebenbürgische Kirchenburgenlandschaft

Projekt im Bachelor SRP:

WS 2012/13, SS 2013

Dozentin: M.A., M.Sc. Stephanie Herold / Dipl.-Ing. Gülsah Stapel

Projekt, 6 SWS

LVNr.: 06361600 L 01

 

Termin: Dienstags, 10:00 - 14:00 Uhr

Raum: B 117

Veranstaltungsbeginn: 09.04.2013

 

Bemerkung: Bitte beachten Sie das Programm in der Einführungswoche! 

 

Das siebenbürgische Hochland im Karpatenbogen zählt zu den reichsten und besterhaltenen Kulturlandschaften in Rumänien und Europa. Hier finden sich landwirtschaftliche und dörfliche Strukturen, wie sie in Westeuropa seit den großen Flurbereinigungen verschwunden sind. Die Landschaft wurde geprägt von ihrer multikulturell zusammengesetzten Bewohnerschaft, neben Rumänen, Ungarn und Roma insbesondere den Siebenbürger Sachsen, deren Dorfstrukturen mit den charakteristischen schmalen Grundstücksparzellen entlang der zentralen Wegeführung (Waldhufendörfer) in Zusammenhang mit den charakteristischen Kirchenburgen die Gegend bis heute dominieren. Die rund 150 erhaltenen Kirchenburgen von denen sechs zum UNESCO-Welterbe gehören, stellen ein besonderes bauliches Element dar, das die Landschaft bis heute prägt und sind mit der sie umgebenden Kulturlandschaft verbunden. Ihre Bauform resultiert aus der historischen Situation in der Region zu ihrer Bebauungszeit. Als Reaktion auf ständige Bedrohung von außen begannen die Bewohner der siebenbürgischen Ortschaften im 15. Jahrhundert, die vorhandenen Kirchenbauten zu befestigen, um in Notsituationen dort Schutz zu finden. Diese Bauten wurden im Laufe der Jahrhunderte sukzessive aus- und umgebaut. So entstand eine weltweit einmalige Dichte und Vielfalt an Wehrbauten, die bis heute weitgehend in historischer Gestalt erhalten geblieben ist.

Diese historische Kulturlandschaft mit ihrem baulichen Erbe ist durch die demografischen Entwicklung und die insbesondere seit der politischen Wende 1989 stattfindende Auswanderung der siebenbürger Sachsen zunehmend bedroht. 1990 waren 90 % der ehemals ansässigen siebenbürger Sachsen ausgewandert, zurück blieben insbesondere die älteren, was zu einem stark angehobenen Durchschnittsalter in der Region führte. Dies hat vor allem auch starke Auswirkungen auf den Erhalt der Kirchenburgen, die sich weiterhin im Besitz der evangelischen Kirche in Siebenbürgen befinden aber kaum noch "Nutzer" finden. In vielen Orten gibt es keine ansässige Gemeinde mehr und der traditionelle "Burghüter" (der Inhaber der Kirchenschlüssel) ist der einzig verbliebe Verantwortliche für das Gebäude.

Erschwerend kommt der Strukturwandel im ländlichen Raum hinzu, der wie bei allen Transformationsländern besonders heftig ist, weil er innerhalb weniger Jahre eine Entwicklung vollzieht, die sich in den westlichen Ländern auf die Jahrzehnte nach 1945 bis heute verteilte. Ferner sind die Veränderungen durch die Arbeitsmigration mit den darauf folgenden sozialen Problemen zu benennen, die auch im ländlichen Raum die traditionellen Bindungen aufbrechen.

In Siebenbürgen kommen damit mehrere Probleme zusammen:

- eine Verwaisung der Landschaft durch Abwanderung und demografischen Wandel und der damit verbundene Verfall sowohl der landschaftlich prägenden Elemente (Feldbewirtschaftung, aufgelassene Weinberge, ...) als auch der Bauten;

- das fast vollständige Wegbrechen einer Bevölkerungsgruppe in einer traditionell multikulturell besiedelten Region und die damit verbundene gesellschaftliche und soziale Neuordnung

Sowohl Bauten als auch Landschaft bedürfen einer Pflege, die die zunehmend rückläufige Bevölkerung nicht mehr leisten kann. Seit einigen Jahren gibt es verschiedene Initiativen, die in der Region aktiv werden, sei es auf dem Gebiet der Ökologie und nachhaltigen Landwirtschaft oder auf dem Gebiet der Pflege und Instandhaltung des baukulturellen Erbes. Die wenigsten davon betrachten jedoch Bauten, Landschaft und Bevölkerung als Ganzes und ziehen alle diese drei Elemente in ihre Überlegungen ein.

Hier setzt die Fragestellung des Projektes an. Das Projekt wird einerseits die prägenden Elemente der siebenbürgischen Kirchenburgenlandschaft eruieren und erfassen, sich andererseits aber auch mit den verschiedenen Bevölkerungs- und Akteursgruppen auseinandersetzen um somit unterschiedliche Perspektiven auf diese Landschaft zu beleuchten. Darauf basierend sollen Prioritäten und Zielvorstellungen für die zukünftige Weiterentwicklung der Region aufgezeigt werden.

 Projektablauf:

Im ersten Semester arbeiten sich die TeilnehmerInnen zunächst in die Thematik ein und setzen sich dabei mit der historischen Entwicklung des Gebietes, Thema und Begriff der (historischen) Kulturlandschaft und Fragen zu Zusammenhängen zwischen (Gruppen)Identitäten und Landschaft auseinander. Auch das Thema der Schrumpfung in ländlichen Räumen wird vertieft und vergleichend betrachtet. Daran anschließend werden Systeme zur kartografischen Erfassung von Kulturlandschaft entwickelt und erprobt. Parallel findet eine vertiefende Untersuchung der sozialen Zusammensetzung der Region statt und es wird Kontakt zu verschiedenen Akteursgruppen aufgenommen.

Im zweiten Semester findet eine Exkursion nach Siebenbürgen statt. Basierend auf den im ersten Semester erarbeiteten Grundlagen findet eine detaillierte kulturlandschaftliche Erfassung eines vorher festgelegten Untersuchungsgebietes statt. Neben der kartografischen Erfassung fließen auch die Ergebnisse von Befragungen und Expertengesprächen in diese Untersuchung mit ein. Zurück in Berlin werden diese Ergebnisse zusammengeführt und aufbereitet. Aus ihnen abgeleitet werden Empfehlungen für den weiteren Umgang mit der historischen Kulturlandschaft entwickelt.

Das Projekt wird unterstützt durch die Leitstelle Kirchenburgen in Sibiu/Hermannstadt. Die Teilnahme an der Exkursion ist integrativer Bestandteil des Projektes und für alle ProjektteilnehmerInnen verpflichtend.

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