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TU Berlin

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Stadt-Migration-Erinnerung. Das Recht auf Erbe in der Praxis am Beispiel türkeistämmiger Aleviten in Berlin

Veranstaltungsgrunddaten:

Dozentin: Dipl.-Ing. Gülsah Stapel

Projekt, 8 SWS (12 LP/ECTS)

Modul: M 1/2, Auftragsprojekt

Termin: Mittwochs, 12:00 - 16:00 Uhr
Raum: B 117
Veranstaltungsbeginn: 25.10.2017 - 16.02.2018


Beschreibung:

Was von unserer gebauten Umwelt und der Vergangenheit ist für wen bedeutsam? Was soll erhalten werden? Worüber wollen wir Wissen sammeln und welche Geschichten wollen wir erzählen? Diverse internationale Anstrengungen der letzten Jahre, allen voran sei hier exemplarisch die Faro Konvention über den Wert des Kulturerbes für die Gesellschaft von 2005 genannt, verfolgen das Ziel, Antworten auf die obigen Fragen demokratischer und inklusiver zu gestalten. Auch die Denkmalpflege hinterfragt sich derzeit hinsichtlich ihrer Deutungshoheit kritisch. Nicht zuletzt ist die kulturelle Vielfalt auch ein zentrales Thema des Europäischen Kulturerbejahres 2018, das unter dem Titel „Sharing heritage“ steht. Ein Leitgedanke hierbei ist es, den multikulturellen Realitäten gerecht zu werden. Unter dem Schlagwort „Migration“ wurden so diverse Projekte und Forschungen vorangetrieben, die von dem Bemühen getragen sind, historisch bedeutsame Bauten und Orte neu zu interpretieren oder bislang übersehene Bauten und Orte in die Erinnerungskultur neu aufzunehmen. Beispielhaft sei hier die Ausstellung „Ortsgespräche“ (2012-2017) im Bezirksmuseum Friedrichshain-Kreuzberg genannt oder auch das Projekt „Migration bewegt die Stadt“ in München. Gleichzeitig gibt es aber auch Bestrebungen „von unten“ ein Teil der – in unserem Fall deutschen - Erinnerungslandschaft zu werden und ein gebautes Erbe zu errichten. Hierbei sehen sich die Akteure nicht nur vor der Herausforderung, den „verwaltungsmäßig richtigen Weg“ zu gehen, sondern werden oftmals auch wegen der nichtdeutschen Form oder Inhalte bekämpft und angefeindet. Einerseits soll vor allem in den Städten auf Vielfalt und Multiperspektivität gesetzt werden, andererseits entscheiden aber nur bestimmte Akteure (Museen, Wissenschaftler, Denkmalpfleger, Bauaufsichtsbehörden) welche Aspekte der Vielfalt, welche Perspektiven und vor allem wie sichtbar diese sein dürfen.

Wie weit die Lücke zwischen den Absichten und der Praxis klafft, untersuchen wir am Beispiel der Dersim-Aleviten in Berlin. Diese haben 2015 einen Antrag auf die Errichtung eines Denkmals gestellt. Im Februar 2016 wurde beschlossen, der Dersim Kulturgemeinde einen Ort zur Errichtung eines „Denkmals“ zum Gedenken an die staatlich organisierten Massenexekutionen tausender Dersimer in den Jahren 1937/38 zur Verfügung zu stellen. Dann, 2017, wurden sämtliche Kooperationen mit der Dersimer Kulturgemeinde abgebrochen; auf Anordnung von „ganz oben“, so ein Mitarbeiter des Bezirks. So hatte die Dersim Kulturgemeinde bei der 80. Gedenkveranstaltung wieder keinen Ort ihrer Toten zu gedenken.

Das Studienprojekt untersucht den Fall der Dersim Kulturgemeinde und ihrem Bestreben nach Errichtung eines Denkmals genau und durchleuchtet die Erinnerungsarbeit auf drei Ebenen:

Ebene 1: Das Recht auf Erbe

Welche Konventionen, Erklärungen und Rechte gibt es eigentlich in Bezug auf Kulturerbe und Vielfalt? Welche Auswirkungen haben Sie? Wer hat was ratifiziert? Was bedeutet das europäische Kulturerbejahr 2018 in diesem Zusammenhang?

Kompetenzziele: Versierte Kenntnisse zu internationalen Organisationen, Strukturen und Abläufen. Überblick über internationale Konventionen und Rechte zu kulturerberelevanten Themen

Ebene 2: Dersimer-Aleviten

Wer sind die Dersimer-Aleviten? Fakten und Lücken zu den Massenmorden. Begrifflichkeiten und Definitionen der historischen Ereignisse. Welche Akteure befinden sich im Konflikt mit den Dersimer Aleviten, und wer sind ihre Verbündeten? Wie ist der Stand der Forschung? Kollektive Erinnerungen und Traumabewältigungsstrategien.

Kompetenzziele: Interkulturelle Kompetenz. Wissen um eine bislang vernachlässigte und große Gruppe türkeistämmiger Deutscher. Geschichtswissen.

Ebene 3: Denkmalerrichtung

Welche Möglichkeiten des Gedenkens gibt es im Stadtraum, und welche rechtlichen Verbindlichkeiten gehen mit dem jeweiligen Status einher? Denkmal, Gedenktafel, Kunst. Museum und Co.. Chronologischer Ablauf des Bestrebens der Denkmalerrichtung der Dersim Kulturgemeinde. Wer hat wann wo was beantragt und was gesagt? Wer sind die Akteure in dem Fall „Dersim-Denkmal Drucksache DS/1988/IV“, und welche Positionen vertreten sie?

Kompetenzziele: Experteninterviewverfahren. Archivrecherche. Einsicht, Umgang und Interpretation von Beschlussverfahren auf Bezirksebene. Differenzierte Kenntnisse zu erinnerungspolitischen Instrumenten und Verfahren.

 

Da das Projekt sehr praxisbezogen, hochaktuell sowie weltpolitisch aufgeladen ist, wird ein hohes Maß an Wissenschaftlichkeit und Sensibilität, insbesondere im Umgang mit den Akteuren der Dersim Kulturgemeinde erwartet.

Durchführung durch die Lehrbeauftrage Gülsah Stapel.

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