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TU Berlin

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"Identität und Erbe"

Termin: 
7. bis 9. Juli 2011

Veranstalter:
Institut für Stadt- und Regionalplanung, Lehrstuhl für Denkmalpflege
Prof Dr. Gabi Dolff-Bonekämper 


Identität und Erbe


Denkmale und mobiles Kulturerbe wurden in den vergangenen zwei Jahrhunderten - und werden auch heute noch – in Theorie und Praxis als Medien der gesellschaftlichen Homogenisierung wirksam gemacht, meist mit dem ausdrücklichen Ziel der Bekräftigung einer charakteristischen Einheit von Staatlichkeit, Territorialität, Ethnizität und Kulturalität. Seit geraumer Zeit wird die derart erstrebte und eventuell auch erreichte Einheit mit dem Begriff „Identität“ gefaßt. Diese wäre somit das Ergebnis einer komplexen Konstruktion, die  die persönliche, also die subjektive, „gefühlte“ Eigenart einer Person und ihre Zugehörigkeit zu Staat, Territorium, Volk und Kultur begründet. Erbe wäre mithin ein unmittelbar wirksames Medium der Identitätskonstruktion. Denken wir dies als direkte Abhängigkeit  – je mehr Erbe desto kräftiger die Identitätsempfindung? Oder sehen wir Identität und Erbe als dialektisches Paar im Verhältnis gegenseitiger Bedingtheit, das auch paradoxe Verkehrungen von Ursachen und Wirkungen denkbar macht?  

Konkret fragen wir: Wie, wann und wo und durch welche Akteure wurden Einheitskonstrukte durch Interpretation und Inwertsetzung von Baudenkmalen, Sammlungen und musealen Installationen affirmiert?  Hat sich die angestrebte Integrationskraft der derart entstandenen Erbekonstruktionen im Sinne einer Binnenstabilisierung und Außenabgrenzung der jeweiligen Gesellschaft über die Zeit bewährt und sind diese gewissermaßen zu Fakten geworden? Wie haben sie zu  kulturellen Antagonismen und militärischen Konfrontationen zwischen benachbarten Nationalstaaten beigetragen? Sind unterdrückte oder abgespaltene Bevölkerungsgruppen in der Geschichte und in der Denkmal- bzw. Museumslandschaft auf die Art tatsächlich ortlos geblieben bzw. geworden? Und nehmen sie das hin oder gibt es Widerstand, der seinerseits auf historische Bauten, Orte, Artefakte Bezug nimmt?  

Der nationalen und partikularen Indienstnahme von Kulturgütern stehen neue Tendenzen in der Denkmalwerttheorie gegenüber. Neue Konzepte und Manifeste der internationalen Organisationen, die sich mit Kulturerbe befassen, nehmen Abstand von der Behauptung der Einheit von Kulturerbe, Ethnizität und Kulturalität und schlagen andere soziale Muster der Vergesellschaftung von Kulturerbe vor.  Aber ist es immer ein Fortschritt, wenn Staat und Nation aus der Bindungskraft und Pflicht entlassen werden und Communities an die Stelle treten? Sind diese notwendig herrschaftsferner und demokratischer?  Hier eröffnet sich ein anderes, auf Gegenwart und Zukunft lenkendes Forschungsfeld, in dem gefragt werden kann, welche Bedeutung Denkmale und mobile Kulturgüter für die Aufdeckung und mögliche Bearbeitung von sozialen und kulturellen Hegemonien und Konflikten der Vergangenheit haben können und wie die Befassung mit Kulturerbe der Moderation von Konflikten der Gegenwart/en dienen könnten.

Hier finden Sie das Programm zur Fachtagung.

Hier finden Sie den Flyer für die Fachtagung.

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