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TU Berlin

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Neue Fassaden für die historische Stadt – Fassadenumbauten und Neubauten der Moderne in Berlin

In den 1920er Jahren kommt es in der Berliner Innenstadt zu Umbauten, bei denen Gebäudefassaden des 19. Jahrhunderts modern umgestaltet werden, während zur gleichen Zeit nur wenige Neubauten entstehen. Mit diesen Umbauten der Moderne werden die in dieser Zeit formulierten Gestaltvorstellungen des Neuen Bauens in Bezug auf die Konstruktion und die Verwendung von Materialien umgesetzt, und die neuen Fassaden beginnen zunehmend das Bild des Stadtzentrums zu prägen. Dabei stehen die in großem Kontrast zur Bebauung des Historismus entwickelten Fassadenumbauten in ihrer Wirkung den zeitgleich entstehenden Neubauten nicht nach. Die vorliegende Arbeit geht den Fragen nach, in welchem Verhältnis Fassadenumbauten und Neubauten der Moderne der 1920er Jahre stehen und welche Hintergründe und Zusammenhänge zur Umgestaltung von Fassaden bestehender Wohn- und Geschäftshäuser führten.

Der Schwerpunkt der Arbeit liegt hierbei auf dem Prozess der Um- und Neugestaltung und setzt sich schon von dieser Seite her thematisch von den bereits seit den 1920er Jahren durchgeführten Entstuckungen ab, die mehr die Beseitigung von Baufälligkeit als eine tatsächliche Gestaltung zum Inhalt hatten. Zwar ging es auch bei den hier betrachteten Fassadenumbauten zunächst häufig um die Beseitigung baufälligen Stucks an der Fassade, jedoch wurde zugleich auch nach einer – wie sie in den Bauanträgen oft genannt wird – „neuzeitlichen“ Form der Umgestaltung gesucht. Die Fassadenumgestaltungen sind ein bewusster Gestaltungsprozess, mit dem Architekten und Planer beauftragt wurden, bestehende Gebäude nach bestimmten Kriterien und in der Regel mit einer konkreten funktionellen Absicht neu herzurichten. Bei der modernen Umgestaltung von Fassaden wurde versucht, gestalterisch wie technisch-konstruktiv den Anforderungen gerecht zu werden, die man auch – und das ist der große Unterschied zur „Entstuckung“ – an Neubauten jener Zeit stellte. Die umgestalteten Altbaufassaden wirken hierbei wie zweidimensionale Neubauten, die in ihrer flächigen Gestaltung, in der Konstruktion der Außenwand, der Belichtungskonzeption und der technischen Ausformulierung schon als Neubauten ausformuliert sind, obwohl sie in der Regel nur eine Modernisierungsmaßnahme an einem Altbau darstellen.

Um das Phänomen des Fassadenumbaus der Moderne zu erfassen, folgt der Aufbau der Arbeit nur untergeordnet einem zeitlichen Verlauf, in dem der historische Rahmen für den Gestaltwandel der Moderne thematisiert wird. Im Zentrum der Arbeit steht eine typologische Betrachtung moderner Fassadengestaltungen, in der an beispielhaften Bauten die Gründe und die gestalterischen wie konstruktiven Mittel der Umsetzung erläutert werden.

Die Arbeit schließt eine Untersuchung ab, welche Bedeutung der moderne Fassadenumbau in der vom 19. Jahrhundert geprägten Stadt einst hatte, welcher Stellenwert ihm heute zukommt und welche denkmalpflegerische Relevanz die Umgestaltungen der 1920er Jahre als Relikte eines sehr raren Gebäudebestands besitzen. Hier steht die Besonderheit der für die Moderne doch zunächst ungewöhnlichen Methode des Umbaus – teilweise auch als denkmalpflegerisch sinnvolle Variante zu Abriss und Neubau –im Mittelpunkt der Ausführungen.

Torben Kiepke

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