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TU Berlin

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Forschung am Fachgebiet Denkmalpflege

Identität und Erbe

Denkmale und mobiles Kulturerbe wurden in den vergangenen zwei Jahrhunderten - und werden auch heute noch – in Theorie und Praxis als Medium der gesellschaftlichen Homogenisierung wirksam gemacht, meist mit dem ausdrücklichen Ziel der Bekräftigung einer charakteristischen Einheit von Staatlichkeit, Territorialität, Ethnizität und Kulturalität. Diese wird zur Grundlage der Konstruktion kollektiver Identität, die in die persönliche Identitätskonstruktion der Individuen eingeht und ihre Zugehörigkeit zu Staat, Territorium, Volk und Kultur begründet. Das konzeptuelle Gefüge, in dem Identität und Erbe zusammen gedacht werden, verspricht damit innere Stabilität und Außenfestigkeit. Im Falle gewaltsamer Neugruppierungen oder Spaltungen zerfällt mit dem Territorium oft genug auch die größere Einheit kollektiver Identität, das Erbe von abgespaltenen ethnischen oder kulturellen Gruppen wird mit „dem Feind“ identifiziert und stellvertretend angegriffen. In dem Falle ist das jeweilige Konzept von Identität und Erbe zwar weiterhin stabil, aber nicht zum Vorteil, sondern zum Nachteil beider Pole.

Neue Tendenzen in der Denkmalwerttheorie und vor allem neue Konzepte und Manifeste der internationalen Organisationen, die sich mit Kulturerbe befassen, nehmen Abstand von der Behauptung der Einheit von Kulturerbe, Ethnizität und Kulturalität und schlagen andere soziale Muster der Vergesellschaftung von Kulturerbe vor. Dies geschieht unter dem Eindruck der weltweiten Migration der Kultur tragenden und Kultur erbenden Bevölkerungen sowie der politischen Annäherung ehemals scharf abgegrenzter benachbarter Kulturerbe-Territorien bzw. -Staaten. Kulturerbe und Identität werden zwar weiterhin zusammen gedacht, aber in komplexeren, Widerspruch und Spannungen aufnehmenden und vor allem in offenen, Bewegung und Veränderung erlaubenden Beziehungen.

Internationale Architekten- und Planerverbünde – CIAM, Team 10 – und die Mobilität der Architekten sorgten dafür, daß Programmatiken und beispielhafte Formfindungen der Moderne international diskutiert und verbreitet wurden. Damit wäre die Moderne ein besonders für transnationale Erbekonstruktionen geeigneter Gegenstand. Kann sie/sollte sie auch - identitäre Bindung erzeugen?

Im hier skizzierten Forschungsfeld geht es darum, Identität und Erbe als aufeinander bezogene kulturelle Konzepte, also als voneinander abhängige Variable zu denken und die Konsequenzen zu erkunden, und dies nicht nur in der Theorie, sondern auch in empirischen Fallstudien. Einstweilen haben wir fünf Teilprojekte definiert, die in Konzeption und Durchführung unterschiedlich weit gediehen sind.

1. Theorie der gesellschaftlichen Denkmal-Inwertsetzung, alte und neue Wertbegriffe und ihr semantisches Umfeld, transnationale Konzepte.

2. Das Erbe Europas. Europa, eine Identitätsgemeinschaft? Die Europäer – eine Erbengemeinschaft? Grenzüberschreitende Denkmalkomplexe und ihre Interpretation.

3. Fremdes Erbe – Fremdheits-Erfahrungen. Orte der Zugehörigkeit und Orte der Erinnerung von Migranten in Berlin.

4. Denkmalverlust-Erfahrungen und Denkmalersatz-Forderungen – zur sozialen Seite der Denkmalrekonstruktion.

5. Architektur und Städtebau der Moderne als Erbe – zum Problem der Zeitnähe und Erfahrungsnähe, Streitwert, Denkmalwert, Mehrwert.

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Technische Universität Berlin
Fachgebiet Denkmalpflege
Institut für Stadt- und Regionalplanung
Sekr. B.3
Hardenbergstr. 40a
10623 Berlin
Tel.: +49 (0)30 314-28077